Veröffentlicht am März 15, 2024

Die Entscheidung für eine mechanische Uhr ist weniger eine finanzielle Kalkulation als vielmehr eine Investition in ein emotionales Erbe und ein persönliches Ritual.

  • Sie erwerben nicht nur einen Zeitmesser, sondern ein Stück lebendiger Ingenieurskunst, dessen Wert über Generationen Bestand hat.
  • Die bewusste Pflege und das tägliche Ritual des Aufziehens schaffen eine tiefe, persönliche Verbindung, die kein digitales Gerät bieten kann.

Empfehlung: Bevor Sie Marken und Modelle vergleichen, definieren Sie, welche Geschichte und welche Werte Ihre Uhr für Sie persönlich verkörpern soll.

In einer Welt, die von digitalen Anzeigen auf Smartphones und Quarzuhren dominiert wird, mag die Frage berechtigt sein: Warum sollte man ein Vielfaches für eine Technologie ausgeben, die objektiv weniger präzise ist? Die Antwort liegt nicht in der reinen Funktionalität, sondern in der Philosophie, die eine mechanische Uhr verkörpert. Während eine Quarzuhr die Zeit anzeigt, lässt eine mechanische Uhr sie uns fühlen. Ihr leises, rhythmisches Ticken ist der Herzschlag von Hunderten präzise gefertigter Teile – eine Miniaturwelt aus Federn, Zahnrädern und Hebeln, die in perfekter Harmonie zusammenarbeiten.

Oft wird die Diskussion auf eine simple Gegenüberstellung von „Wertanlage“ versus „Gebrauchsgegenstand“ reduziert. Man spricht über Werterhalt, über Markenprestige oder über komplexe Funktionen, sogenannte Komplikationen. Doch diese oberflächliche Betrachtung übersieht den wahren Kern. Die Investition in die mechanische Uhrmacherei ist eine bewusste Abkehr von der Wegwerfkultur. Es ist die Entscheidung für ein Objekt mit einer „mechanischen Seele“, das gepflegt, gewartet und eines Tages weitervererbt werden kann – ein greifbares Stück Ewigkeit in unserer schnelllebigen Zeit.

Doch was bedeutet das konkret? Wenn die wahre Faszination nicht allein im Preis oder im Markennamen liegt, sondern in der Beziehung, die wir zu dem Objekt aufbauen, wie beginnt man diese Reise? Es geht darum, das Handwerk zu verstehen, das Ritual der Pflege zu schätzen und eine Wahl zu treffen, die die eigene Persönlichkeit widerspiegelt. Dieser Artikel ist kein einfacher Kaufberater. Er ist eine Einladung, die Welt der mechanischen Uhren durch die Augen eines Uhrmacher-Philosophen zu entdecken – von der emotionalen Bedeutung der Komplikationen über das Ritual des Handaufzugs bis hin zur Kunst, eine Sammlung aufzubauen, die eine persönliche Geschichte erzählt.

Um diese tiefere Ebene der Uhrmacherei zu erschließen, werden wir die fundamentalen Aspekte beleuchten, die eine mechanische Uhr zu einer so einzigartigen und lohnenden Investition machen. Entdecken Sie mit uns die faszinierende Welt, die sich hinter dem Zifferblatt verbirgt.

Warum Männer für mechanische Komplikationen das 50-fache zahlen

Die Faszination für mechanische Komplikationen – von der Stoppuhr-Funktion (Chronograph) bis zum ewigen Kalender – lässt sich nicht rational erklären. Es ist die pure Bewunderung für menschlichen Erfindergeist. Eine Komplikation ist nicht nur eine Funktion; sie ist ein Mikrokosmos der Ingenieurskunst, der auf wenigen Quadratmillimetern eine komplexe Aufgabe löst. Der Preisunterschied zu einer einfachen Uhr spiegelt die hunderte, oft tausende Stunden an Entwicklungs- und Handarbeit wider. Es ist die Anerkennung dafür, dass ein Uhrmacher ein mechanisches Gedächtnis erschaffen hat, das ohne Elektronik funktioniert. Diese Wertschätzung ist ein zutiefst emotionaler Akt.

Der Besitz einer Uhr mit einer anspruchsvollen Komplikation ist ein Statement über die Wertschätzung von Komplexität und Tradition. Es ist das Wissen, ein Stück Uhrmachergeschichte am Handgelenk zu tragen, das über bloßen Nutzen hinausgeht. Diese emotionale Komponente ist auch ein wesentlicher Treiber für den materiellen Wert. Während eine einfache Quarzuhr an Wert verliert, sobald sie die Verpackung verlässt, können mechanische Meisterwerke ihre Attraktivität steigern. Tatsächlich erleben einige Vintage-Modelle und Sondereditionen über die Jahre eine Wertsteigerung von bis zu 30 %, da ihre Seltenheit und die damit verbundene Geschichte immer begehrter werden.

Die klassische Uhrmacherei erlebt heute eine Renaissance und einen nie für möglich gehaltenen Boom. Armbanduhren entwickelten sich vom Gebrauchsgegenstand zum Statussymbol.

– Chrono24 Marktplatz, Chrono24 Mechanische Uhren Übersicht

Die Investition in Komplikationen ist somit eine Investition in die Kunstfertigkeit und die Geschichte. Es ist der Unterschied zwischen dem Kauf eines Werkzeugs und dem Erwerb eines Kunstwerks. Beide können eine Funktion erfüllen, aber nur das Kunstwerk nährt die Seele und erzählt eine Geschichte, die über die Zeit hinaus Bestand hat.

Wie beginnen Sie Ihre mechanische Uhrenreise fundiert?

Der Einstieg in die Welt der mechanischen Uhren kann überwältigend sein. Unzählige Marken, Modelle und Fachbegriffe prasseln auf den Neuling ein. Der Schlüssel zu einem gelungenen Start liegt nicht darin, sofort die „perfekte“ Uhr zu finden, sondern einen strukturierten, wissensbasierten Ansatz zu verfolgen. Es ist eine Reise, die mit dem Verstehen beginnt, nicht mit dem Kaufen. Eine fundierte Herangehensweise schützt vor teuren Fehlentscheidungen und legt den Grundstein für eine lebenslange Leidenschaft. Anstatt sich von Marketing blenden zu lassen, sollten Sie sich auf die drei Säulen einer jeden Uhrensammlung konzentrieren: Zweck, Design und Mechanik.

Um diesen Weg zu strukturieren, hat sich eine Drei-Phasen-Strategie bewährt, die den Fokus schärft und den Prozess lenkbar macht. Dieser Ansatz führt Sie von den technischen Grundlagen über die finanzielle Planung bis zur persönlichen Stilfindung.

  1. Phase 1: Grundlagen verstehen. Machen Sie sich mit den Kernkonzepten vertraut. Was ist der Unterschied zwischen einem Handaufzugs- und einem Automatikwerk? Wie funktioniert die Hemmung, das schlagende Herz der Uhr? Dieses Grundwissen ist unerlässlich, um die Qualität und den Charakter einer Uhr beurteilen zu können.
  2. Phase 2: Budget festlegen. Mechanische Uhren sind in fast jeder Preisklasse verfügbar. Gute Einsteigermodelle von etablierten Marken wie Seiko, Tissot oder Hamilton gibt es bereits ab etwa 500 Euro. Ein klares Budget verhindert, dass Sie sich übernehmen, und zwingt Sie, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
  3. Phase 3: Erste Uhr wählen. Reflektieren Sie Ihren Lebensstil. Benötigen Sie eine elegante Dresswatch für das Büro, eine robuste Sportuhr für die Freizeit oder eine funktionale Fliegeruhr? Die erste Uhr sollte zu Ihnen und Ihrem Alltag passen, denn nur so wird sie zu einem treuen Begleiter.

Diese drei Uhrentypen – die elegante Dresswatch, die robuste Taucheruhr und die funktionale Fliegeruhr – repräsentieren die Grundpfeiler vieler Sammlungen. Die folgende Darstellung zeigt beispielhaft die stilistische Vielfalt.

Drei verschiedene mechanische Uhrentypen auf Holztisch arrangiert

Die Wahl der ersten Uhr ist somit mehr als eine ästhetische Entscheidung. Sie ist der erste Ausdruck Ihrer Persönlichkeit in der Sprache der Horlogerie und definiert den Ausgangspunkt Ihrer ganz persönlichen Sammlungsgeschichte.

Automatischer Komfort oder ritueller Handaufzug: Was passt zu Ihnen?

Eine der ersten fundamentalen Entscheidungen auf der Reise in die mechanische Uhrmacherei ist die Wahl des Aufzugmechanismus. Automatikuhren nutzen die Bewegungsenergie des Trägers, um sich selbst aufzuziehen – praktisch, effizient und modern. Demgegenüber steht der Handaufzug, eine ursprünglichere Form der Energiezufuhr, die eine tägliche Interaktion erfordert. Diese Entscheidung ist keine Frage von „besser“ oder „schlechter“, sondern eine tiefgreifende Frage nach der Beziehung, die Sie zu Ihrer Uhr aufbauen möchten. Es ist die Wahl zwischen passivem Komfort und aktiver Verbindung.

Die Automatikuhr ist der unkomplizierte Begleiter für den Alltag. Solange sie getragen wird, läuft sie. Ihre Werke arbeiten oft mit einer höheren Frequenz (typischerweise 28.800 Halbschwingungen pro Stunde), was zu einem flüssigeren Lauf des Sekundenzeigers führt. Der Handaufzug hingegen verwandelt die Notwendigkeit des Aufziehens in ein bewusstes, tägliches Ritual. Das Drehen der Krone, das Spüren des Widerstands der sich spannenden Feder – dieser Moment schafft eine haptische Verbindung zur Mechanik. Es ist ein Moment der Achtsamkeit, eine kurze Pause im digitalen Rauschen des Alltags, der die Uhr zu einem sehr persönlichen Objekt macht.

Technisch gesehen ist die Präzision nicht das entscheidende Kriterium. Zwar weisen laut dem Montredo Uhrenguide mechanische Uhren eine tägliche Gangabweichung im Sekundenbereich auf, während Quarzuhren um Potenzen genauer sind, doch dieser Unterschied ist für Liebhaber Teil des Charmes. Die „Unvollkommenheit“ ist ein Zeichen für die lebendige Mechanik. Die Entscheidung zwischen Automatik und Handaufzug ist somit eine philosophische: Suchen Sie einen Zeitmesser, der Ihnen dient, oder einen, mit dem Sie in einen Dialog treten?

Warum vernachlässigte Revision Ihre 10.000-Euro-Uhr ruiniert

Eine mechanische Uhr ist ein hochkomplexes Mikrosystem, dessen Langlebigkeit von regelmäßiger Pflege abhängt. Die Vorstellung, eine teure Uhr sei eine einmalige Anschaffung, ist ein gefährlicher Trugschluss. Im Inneren des Gehäuses arbeiten winzige mechanische Teile unter ständiger Reibung. Öle und Fette, die diese Reibung minimieren, altern, verharzen und verlieren ihre Schmierfähigkeit. Eine vernachlässigte Revision führt unweigerlich zu erhöhtem Verschleiß, nachlassender Ganggenauigkeit und im schlimmsten Fall zu einem kapitalen Werksschaden, dessen Reparatur ein Vermögen kosten kann. Die Revision ist also keine optionale Ausgabe, sondern die Lebensversicherung für Ihre Investition.

Die Kosten und Intervalle für einen Service hängen stark vom Trageverhalten ab. Doch die Kosten einer versäumten Wartung übersteigen die einer regelmäßigen Revision um ein Vielfaches. Die folgende Tabelle, basierend auf einer Analyse von watch.de, verdeutlicht die finanziellen Konsequenzen.

Serviceintervalle und Kosten im Vergleich
Trageverhalten Serviceintervall Typische Kosten
Tägliches Tragen Alle 5 Jahre 600-800 Euro
Gelegentliches Tragen Alle 10 Jahre 600-800 Euro
Verzögerte Revision Bei Schaden 2000+ Euro inkl. Ersatzteile

Neben der regelmäßigen Wartung durch einen Fachmann gibt es auch im täglichen Umgang entscheidende Regeln zu beachten, um Schäden zu vermeiden. Eine der häufigsten und teuersten Fehlerquellen ist die falsche Einstellung des Datums.

Stellen Sie bei mechanischen Uhren nie das Datum, wenn sich der Stundenzeiger zwischen 22:00 und 2:00 Uhr befindet. Da sich das Uhrwerk in diesem Zeitraum selbst noch im Schaltmechanismus befindet, kann das Uhrwerk beschädigt werden – eine kostspielige Reparatur droht.

– Watch.de

Die Pflege ist also ein integraler Bestandteil des Besitzes einer mechanischen Uhr. Sie ist Ausdruck des Respekts vor dem Handwerk und der Schlüssel, um den Wert und die Funktion über Jahrzehnte zu erhalten. Wer hier spart, riskiert den Totalverlust seiner Investition.

Die 4 Stufen der mechanischen Uhrensammlung

Eine Uhrensammlung ist selten das Ergebnis eines einzigen großen Plans. Vielmehr ist sie ein organischer Prozess, eine Reise, die die persönliche Entwicklung des Sammlers widerspiegelt. Diese Reise lässt sich oft in vier archetypische Stufen unterteilen. Jede Stufe ist geprägt von unterschiedlichen Prioritäten, einem wachsenden Wissensstand und einer sich verändernden Perspektive auf das, was eine Uhr wertvoll macht. Zu verstehen, wo man sich auf dieser Reise befindet, hilft dabei, bewusstere Entscheidungen zu treffen und die eigene Leidenschaft zu kultivieren.

Stufe 1: Der Marken-Fokussierte. Am Anfang steht oft der Wunsch nach Anerkennung. Der Sammler orientiert sich an großen, bekannten Namen, die für Prestige und Werterhalt stehen. Die Wahl fällt auf ikonische Modelle, die sofort als Statussymbol erkannt werden. Das Wissen über die Technik ist oft noch oberflächlich; die Marke ist die Botschaft.

Stufe 2: Der Entdecker. Mit wachsender Erfahrung beginnt der Sammler, über den Tellerrand der großen Marken hinauszuschauen. Er entdeckt kleinere, unabhängige Manufakturen, interessiert sich für die Geschichte hinter den Uhren und beginnt, verschiedene Komplikationen und Designsprachen zu erkunden. Die Sammlung wird diverser und persönlicher.

Stufe 3: Der Technik-Connaisseur. Der Fokus verschiebt sich von der äußeren Erscheinung auf das innere Leben der Uhr: das Uhrwerk. Der Sammler entwickelt eine tiefe Wertschätzung für Manufakturkaliber, seltene Komplikationen und uhrmacherische Finessen wie eine handgefertigte Finissierung. Die Qualität des Werks wird zum entscheidenden Kaufkriterium.

Stufe 4: Der Philosoph. Auf dieser höchsten Stufe transzendiert die Sammlung rein materielle oder technische Aspekte. Jede Uhr erzählt eine Geschichte – über ihre Herkunft, ihren Vorbesitzer oder einen besonderen Moment im Leben des Sammlers. Der emotionale Wert übersteigt den Marktwert bei weitem. Die Sammlung wird zu einem persönlichen Vermächtnis, einem Mosaik aus Erinnerungen und Leidenschaft.

Rolex oder unabhängige Manufaktur: Was sagt welche Wahl über Sie?

Die Wahl einer Uhr ist immer auch eine Form der nonverbalen Kommunikation. Sie erzählt eine Geschichte über die Werte, Prioritäten und das Selbstverständnis ihres Trägers. An keinem Punkt wird dies deutlicher als bei der Entscheidung zwischen einer etablierten Luxusgröße wie Rolex und einer kleineren, unabhängigen Manufaktur. Beide Entscheidungen sind valide, doch sie senden fundamental unterschiedliche Signale. Es ist die Wahl zwischen etabliertem Status und informiertem Individualismus.

Der Griff zu einer Rolex oder Patek Philippe ist eine Entscheidung für Sicherheit, Prestige und einen nachweislich exzellenten Werterhalt. Wie Marktanalysen zeigen, zählen Rolex und Patek Philippe zu den begehrtesten Luxusuhren auf dem Markt. Diese Marken stehen für zeitloses Design, höchste Qualität und eine universell verstandene Symbolik des Erfolgs. Der Träger signalisiert ein Bewusstsein für Tradition und einen Anspruch auf das Beste, was der Markt zu bieten hat. Es ist eine sichere Wahl, die weltweit Anerkennung findet.

Die Entscheidung für eine unabhängige Manufaktur hingegen ist ein subtileres, aber oft kraftvolleres Statement. Sie signalisiert Kennerschaft und den Wunsch, sich vom Mainstream abzuheben. Der Träger hat recherchiert, verglichen und sich bewusst für ein Design, eine Philosophie oder eine technische Innovation entschieden, die nicht jeder kennt. Diese Wahl sagt: „Ich schätze nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Weg dorthin.“

Fallbeispiel: Nomos Glashütte – Erfolg durch Unabhängigkeit

Ein Paradebeispiel für diesen Weg ist die deutsche Manufaktur Nomos Glashütte. 1990, kurz nach dem Fall der Berliner Mauer, von Roland Schwertner gegründet, hat sich Nomos zu einem der bedeutendsten deutschen Uhrenhersteller entwickelt. Der Erfolg basiert auf einem klaren Bekenntnis zur Unabhängigkeit: die Entwicklung eigener Uhrwerke (Manufakturkaliber), ein minimalistisches und wiedererkennbares Bauhaus-Design und der Verzicht auf die Zugehörigkeit zu einem großen Luxuskonzern. Eine Nomos am Handgelenk ist ein Statement für Designbewusstsein, Wertschätzung deutscher Ingenieurskunst und eine Vorliebe für „Understatement“.

Letztendlich gibt es keine richtige oder falsche Wahl. Die Frage ist: Möchten Sie eine Uhr, die für sich selbst spricht, oder eine, die Ihnen die Möglichkeit gibt, eine Geschichte zu erzählen, die nicht jeder kennt?

Warum ein 400-Euro-Mantel Sie über 10 Jahre weniger kostet als 5 billige Mäntel

Das Prinzip „Wer billig kauft, kauft zweimal“ gilt nirgendwo mehr als in der Welt der langlebigen Güter. Eine mechanische Uhr ist das Paradebeispiel für eine Investition nach dem „Cost-per-Wear“-Prinzip. Auf den ersten Blick mag der Anschaffungspreis im Vergleich zu einer batteriebetriebenen Smartwatch oder einer günstigen Quarzuhr hoch erscheinen. Doch betrachtet man die Gesamtkosten über einen längeren Zeitraum, kehrt sich das Bild oft um. Eine hochwertige mechanische Uhr ist für eine Lebensdauer von Jahrzehnten konzipiert, nicht für einen Produktzyklus von zwei bis drei Jahren. Sie ist ein Gegenentwurf zur geplanten Obsoleszenz der Tech-Industrie.

Eine Smartwatch veraltet technologisch, ihr Akku lässt nach und sie verliert rapide an Wert. Nach wenigen Jahren ist sie oft nur noch Elektroschrott. Eine mechanische Uhr hingegen behält einen signifikanten Teil ihres Wertes und kann mit der richtigen Pflege Generationen überdauern. Die Investition zahlt sich nicht nur finanziell aus, sondern auch emotional und ökologisch. Es ist eine Form von gelebter Nachhaltigkeit.

Eine hochwertige Armbanduhr soll etwas fürs Leben sein und über Generationen hinweg die richtige Zeit anzeigen. Mit der richtigen Pflege und regelmäßigen Services alle 5-10 Jahre läuft eine mechanische Uhr jahrzehntelang zuverlässig.

– Watch.de

Diese langfristige Perspektive lässt sich konkret berechnen. Die folgende Checkliste hilft dabei, die wahren Kosten einer Uhr über eine Dekade zu ermitteln und sie mit scheinbar günstigeren Alternativen zu vergleichen.

Ihr Plan zur Berechnung der „Cost-per-Wear“ Ihrer Uhr

  1. Anschaffungskosten analysieren: Teilen Sie den Kaufpreis einer mechanischen Uhr (z.B. 600€ für ein Tissot-Modell) durch die Anzahl der geplanten Tragetage über 10 Jahre (ca. 3.650 Tage).
  2. Servicekosten einkalkulieren: Rechnen Sie die Kosten für zwei Revisionen über 10 Jahre ein (z.B. 2 x 150-200€).
  3. Vergleichskosten ermitteln: Stellen Sie dem die Kosten für den Neukauf von Smartwatches oder günstigen Modeuhren alle 2-3 Jahre gegenüber (z.B. 4 x 250€ = 1000€).
  4. Wiederverkaufswert berücksichtigen: Beziehen Sie in Ihre Kalkulation mit ein, dass eine gut gepflegte mechanische Uhr auch nach 10 Jahren noch 40-60% ihres ursprünglichen Wertes besitzen kann, während eine Smartwatch nahezu wertlos ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine mechanische Uhr ist eine emotionale Investition in Handwerk und ein persönliches Ritual, nicht nur ein finanzielles Asset.
  • Die regelmäßige Pflege und Revision ist kein Kostenfaktor, sondern ein integraler Bestandteil des Besitzes und sichert den langfristigen Wert.
  • Die Wahl der Marke und des Modells ist ein Ausdruck der Persönlichkeit – zwischen etabliertem Prestige und individuellem Kennertum.

Wie erschließe ich mir die Welt der Luxusmode für gesellschaftlichen Aufstieg?

Eine mechanische Uhr kann zweifellos als Statussymbol fungieren und Türen öffnen. Doch der wahre Schlüssel, um sich in anspruchsvollen sozialen Kreisen souverän zu bewegen, liegt nicht im reinen Besitz, sondern im Wissen und in der Leidenschaft, die man ausstrahlt. Eine teure Uhr am Handgelenk, über die man nichts zu sagen weiß, bleibt ein oberflächliches Accessoire. Eine Uhr jedoch, deren Geschichte, technische Finessen und Bedeutung man kennt, wird zu einem faszinierenden Gesprächsstarter. Der gesellschaftliche Aufstieg durch Luxusgüter gelingt nicht durch das Zurschaustellen von Reichtum, sondern durch das Demonstrieren von Kultiviertheit.

Es geht darum, die „Wert-Erzählung“ Ihrer Uhr zu beherrschen. Warum haben Sie sich für diese spezielle Marke entschieden? Was fasziniert Sie an diesem besonderen Uhrwerk? Kennen Sie die Geschichte der Manufaktur? Die Fähigkeit, diese Fragen eloquent und leidenschaftlich zu beantworten, ist weitaus beeindruckender als der Preis der Uhr. Es zeigt, dass Sie sich informiert haben, dass Sie Werte schätzen, die über das Materielle hinausgehen, und dass Ihre Wahl das Ergebnis einer bewussten Entscheidung ist, nicht eines Impulskaufs.

Die Fähigkeit, über die Geschichte einer Manufaktur oder die Finesse eines Uhrwerks zu sprechen, ist beeindruckender als der reine Besitz.

– Watch.de Magazin, Uhren als sozialer Eisbrecher

Der Weg führt also über Bildung. Lesen Sie Bücher über Uhrmacherei, besuchen Sie Manufakturen, tauschen Sie sich in Foren mit anderen Enthusiasten aus. Entwickeln Sie eine eigene Meinung. Dieses Wissen verwandelt einen teuren Gegenstand in ein Kulturgut und den Träger vom bloßen Konsumenten zum geschätzten Connaisseur. Das ist die wahre Währung in der Welt des Luxus.

Die Transformation vom Besitzer zum Kenner ist der entscheidende Schritt. Die Kunst, Wissen als soziales Kapital zu nutzen, ist der nachhaltigste Weg, sich Anerkennung zu verschaffen.

Beginnen Sie Ihre Reise also nicht mit einem Katalog, sondern mit der Frage: Welche Geschichte soll meine Uhr erzählen? Indem Sie die Antwort auf diese Frage finden und lernen, sie zu teilen, investieren Sie nicht nur in ein Stück Metall und Glas, sondern in Ihr eigenes kulturelles Kapital.

Häufige Fragen zu Warum sollte ich in mechanische Uhrmacherkunst statt Quarz investieren?

Warum sind mechanische Uhren trotz geringerer Präzision teurer als Quarzuhren?

Der Preis einer mechanischen Uhr ergibt sich nicht aus ihrer Präzision, sondern aus einer Kombination aus dem Renommee der Marke, der Unternehmensgeschichte, der Exklusivität und vor allem den immensen Entwicklungs- und Fertigungskosten. Das Know-how, Hunderte von Teilen zu einem funktionierenden Uhrwerk zusammenzufügen, und die oft jahrelange Handarbeit rechtfertigen den Preis.

Was unterscheidet eine Manufaktur von anderen Uhrenmarken?

Eine echte Manufaktur entwickelt und stellt einen wesentlichen Teil oder sogar sämtliche Komponenten ihrer Uhrwerke selbst her. Andere Marken, oft als „Einschaler“ bezeichnet, verwenden zugekaufte Rohwerke von großen Zulieferern wie ETA oder Sellita, die sie dann veredeln, modifizieren und in ihre eigenen Gehäuse einbauen.

Welche Komplikation ist bei Sammlern besonders begehrt?

Der Chronograph ist die wohl bekannteste und beliebteste Komplikation. Diese integrierte Stoppuhr-Funktion, meist erkennbar an den zusätzlichen Drückern am Gehäuse und den Hilfszifferblättern (Totalisatoren) auf dem Zifferblatt, vereint sportliche Funktionalität mit mechanischer Komplexität und ist daher ein Klassiker in vielen Sammlungen.

Geschrieben von Andreas Klein, Andreas Klein ist diplomierter Uhrmachermeister mit 18 Jahren Erfahrung in Haute Horlogerie und Luxusaccessoires für Herren. Nach seiner Ausbildung in der Schweizer Uhrmacherkunst arbeitete er für renommierte Manufakturen und berät heute anspruchsvolle Sammler bei Investitionen in mechanische Zeitmesser und hochwertige Accessoires.