
Entgegen der Annahme, dass ‚mehr‘ auch ’sauberer‘ bedeutet, ist exzessives Haarewaschen der direkte Weg zu geschädigtem Haar und einer überaktiven Talgproduktion.
- Die Haarstruktur leidet unter „hygraler Ermüdung“ – dem ständigen Aufquellen und Schrumpfen.
- Die Kopfhaut reagiert auf aggressive Reinigung mit „kompensatorischer Seborrhö“ – sie fettet schneller nach.
Empfehlung: Verstehen Sie die Bedürfnisse Ihres Haares und steuern Sie das Gleichgewicht aktiv, anstatt einem starren Zeitplan zu folgen.
Die Frage, wie oft man sein Haar waschen sollte, ist ein alltägliches Dilemma. Auf der einen Seite steht der Wunsch nach einem konstant sauberen, frischen Gefühl, was viele zur täglichen Haarwäsche verleitet. Auf der anderen Seite warnen unzählige Ratgeber vor den schädlichen Folgen von zu häufigem Waschen, wie trockener Kopfhaut und strohigen Längen. Diese widersprüchlichen Ratschläge führen oft zu einem Teufelskreis: Man wäscht das Haar, um Fett zu entfernen, doch es scheint nur noch schneller nachzufetten. Viele greifen dann zu immer aggressiveren Shampoos, was das Problem nur verschlimmert. Es ist eine Frustration, die viele Menschen zwischen 20 und 50 Jahren kennen, die mit verschiedenen Haartypen jonglieren und die richtige Balance suchen.
Die gängige Antwort lautet meist „es kommt auf Ihren Haartyp an“, gefolgt von einer starren Tabelle. Doch dieser Ansatz ist unvollständig. Er ignoriert die fundamentalen biologischen Prozesse, die in Ihrer Kopfhaut und in der Haarstruktur selbst ablaufen. Die wahre Lösung liegt nicht darin, eine allgemeingültige Regel zu befolgen, sondern darin, zum bewussten Manager des Ökosystems Ihrer Kopfhaut zu werden. Der Schlüssel ist das Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen – wie Talgproduktion, Porosität und die als hygrale Ermüdung bekannte Strukturschädigung. Nur wer diese Faktoren versteht, kann den Kreislauf aus Überwaschen und Überfetten durchbrechen und eine wirklich personalisierte, gesunde Routine entwickeln.
Dieser Artikel führt Sie durch die wissenschaftlichen Grundlagen der Haarwäsche. Wir entlarven die Mythen, erklären die entscheidenden Faktoren und geben Ihnen konkrete Werkzeuge an die Hand, um Ihre einzigartige, optimale Waschfrequenz zu bestimmen und Ihr Haar nicht nur sauber, sondern nachhaltig gesund zu halten.
Inhaltsverzeichnis: Der Weg zu Ihrer optimalen Waschfrequenz
- Warum zu häufiges Waschen Ihr Haar in 6 Monaten zerstört
- Wie oft sollten Sie waschen: Der 4-Fragen-Test für Ihren Haartyp
- Sportlich aktiv oder Bürojob: Welche Waschroutine für Ihren Alltag?
- Warum heißes Wasser und aggressive Shampoos Ihre Talgproduktion verdoppeln
- Sommer vs. Winter: Wie sich Ihre ideale Waschfrequenz ändert
- Wie bestimmen Sie Ihren Haartyp in 5 Minuten zuverlässig?
- Warum zu häufige Masken Ihr Haar fettig und schlaff machen
- Wie setze ich Haarmasken strategisch ein für maximale Regeneration?
Warum zu häufiges Waschen Ihr Haar in 6 Monaten zerstört
Der Gedanke, dass Waschen dem Haar schadet, erscheint kontraintuitiv. Tatsächlich ist es aber nicht das Wasser oder das Shampoo allein, sondern der ständige, repetitive Prozess, der eine tiefgreifende, strukturelle Schädigung verursacht. Dieses Phänomen wird in der Trichologie als hygrale Ermüdung bezeichnet. Bei jeder Wäsche dringt Wasser in den Haarschaft ein und lässt ihn aufquellen. Beim Trocknen zieht er sich wieder zusammen. Dieser Zyklus aus Dehnung und Kontraktion belastet die innere Struktur des Haares, insbesondere die empfindliche Schuppenschicht (Cuticula). Mit der Zeit führt diese mechanische Belastung zu Rissen in der Cuticula, was das Haar porös, brüchig und glanzlos macht.
Die Folgen sind nicht sofort sichtbar, sondern entwickeln sich schleichend über Monate. Es ist ein Problem, das viele betrifft, ohne dass sie die Ursache kennen. Tatsächlich gaben in Deutschland rund 2,07 Millionen Personen im Jahr 2023 an, rezeptfreie Mittel gegen Haarprobleme zu verwenden – ein Indikator dafür, wie verbreitet Unzufriedenheit mit dem eigenen Haar ist. Oft sind die Symptome der hygralen Ermüdung der Grund dafür. Achten Sie auf folgende Anzeichen:
- Das Haar quillt beim Waschen übermäßig auf und fühlt sich fast „matschig“ an.
- Es zeigt sich eine verstärkte Splissbildung, nicht nur an den Spitzen, sondern auch in den Längen.
- Die Brüchigkeit beim Kämmen oder Bürsten nimmt deutlich zu.
- Das Haar wirkt stumpf und glanzlos, selbst nach der Anwendung von Pflegeprodukten.
- Styling wird zunehmend schwieriger, da das Haar seine Form nicht mehr gut hält.
Wenn Sie mehrere dieser Punkte bei sich feststellen, ist es ein klares Signal, dass Ihre Waschfrequenz zu hoch ist und Ihr Haar unter struktureller Ermüdung leidet. Die Reduzierung der Waschgänge ist hier der erste und wichtigste Schritt zur Regeneration.
Wie oft sollten Sie waschen: Der 4-Fragen-Test für Ihren Haartyp
Die klassische Einteilung in fettige, normale und trockene Haare bietet eine erste Orientierung. Sie ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Um Ihre ideale Frequenz wirklich zu finden, müssen Sie einen weiteren, oft übersehenen Faktor berücksichtigen: die Haarporosität. Sie beschreibt, wie gut Ihr Haar Feuchtigkeit aufnehmen und halten kann, und wird von der Beschaffenheit Ihrer Schuppenschicht bestimmt. Eine geschlossene Schuppenschicht bedeutet geringe Porosität, eine lückenhafte Schuppenschicht hohe Porosität. Sie können dies mit einem einfachen Test herausfinden: Legen Sie ein sauberes, trockenes Haar in ein Glas mit Wasser.

Wie Sie auf dieser Aufnahme sehen, gibt das Verhalten der Haarsträhne Aufschluss über ihre Struktur. Schwimmt das Haar oben, haben Sie gering poröses Haar, das Pflegeprodukte schwer aufnimmt und langsam trocknet. Sinkt es langsam ab, deutet das auf normale Porosität hin – die ideale Balance. Sinkt es schnell zu Boden, haben Sie hoch poröses Haar, das Feuchtigkeit schnell aufnimmt, aber genauso schnell wieder verliert. Dieser Haartyp ist oft das Ergebnis von chemischen Behandlungen oder hygraler Ermüdung und benötigt intensive Pflege, aber weniger häufige Wäschen, um ein weiteres Aufrauen der Cuticula zu vermeiden.
Kombinieren Sie dieses Wissen nun mit der klassischen Haartyp-Analyse. Die folgende Tabelle dient als Ausgangspunkt für Ihre persönliche Routine.
| Haartyp | Empfohlene Häufigkeit | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Fettige Haare | Alle 1-2 Tage | Milde Shampoos verwenden, um die Talgproduktion nicht weiter anzuregen. |
| Normale Haare | Alle 3-4 Tage | Flexibel an den Lebensstil anpassen, Porosität beachten. |
| Trockene Haare | 1-2x pro Woche | Reichhaltige Pflege und Öle sind wichtiger als die Wäsche selbst. |
| Lockige Haare | 1-2x pro Woche | Oft hoch porös; Co-Washing (Waschen mit Conditioner) ist eine gute Option. |
Sportlich aktiv oder Bürojob: Welche Waschroutine für Ihren Alltag?
Ihr persönlicher Lebensstil ist ein ebenso entscheidender Faktor für die Waschfrequenz wie Ihr Haartyp. Jemand, der täglich Sport treibt und stark schwitzt, hat fundamental andere Bedürfnisse als eine Person mit einem Bürojob in einer klimatisierten Umgebung. Schweiß besteht hauptsächlich aus Wasser und Salzen, die das Haar zwar nicht im klassischen Sinne „schmutzig“ machen, aber die Kopfhaut reizen und das Haar strähnig aussehen lassen können. Hier entsteht das Dilemma: Tägliches Waschen mit Shampoo würde zur bereits beschriebenen hygralen Ermüdung führen.
Wie Dermatologen betonen, ist die Anpassung an die Umgebung entscheidend. In einem Artikel des Utopia Gesundheitsratgebers wird dies bestätigt:
Bei Menschen, die häufig Sport treiben oder in einer sehr feuchten Umgebung leben, müssen möglicherweise häufiger ihre Haare waschen.
– Dermatologen-Empfehlung, Utopia Gesundheitsratgeber
Die Lösung für Sportler ist jedoch nicht die tägliche Shampoo-Wäsche, sondern eine strategische Alternative: die Co-Wash-Methode. Hierbei wird das Haar nur mit einem Conditioner gewaschen. Die reinigenden Tenside im Conditioner sind mild genug, um Schweiß und leichte Ablagerungen zu entfernen, ohne die Kopfhaut ihres natürlichen Schutzfilms zu berauben oder die Haarstruktur zu strapazieren. So bleibt das Frischegefühl erhalten, während die eigentliche Shampoo-Wäsche auf ein- bis zweimal pro Woche reduziert werden kann.
Ihr Plan für die Co-Wash-Methode
- Haare mit lauwarmem Wasser gründlich anfeuchten.
- Eine großzügige Menge eines leichten Conditioners auf Kopfhaut und Haar auftragen.
- Die Kopfhaut sanft mit den Fingerspitzen massieren, um Schweiß und Ablagerungen zu lösen.
- Den Conditioner mindestens 5 Minuten einwirken lassen.
- Mit kühlem Wasser gründlich ausspülen, um die Schuppenschicht zu schließen.
Warum heißes Wasser und aggressive Shampoos Ihre Talgproduktion verdoppeln
Einer der hartnäckigsten Mythen in der Haarpflege ist, dass schnell fettendes Haar mit aggressiven, stark entfettenden Shampoos und heißem Wasser bekämpft werden muss. Das Gegenteil ist der Fall. Dieses Vorgehen löst einen Teufelskreis aus, der in der Fachsprache als kompensatorische Seborrhö – also eine durch äußere Reize ausgelöste Überproduktion von Talg – bekannt ist. Unsere Kopfhaut besitzt einen natürlichen Säureschutzmantel mit einem leicht sauren pH-Wert von etwa 4,5 bis 5,5. Dieser Schutzfilm wehrt schädliche Mikroorganismen ab und hält die Haut geschmeidig.
Heißes Wasser und Shampoos mit aggressiven Sulfaten und einem hohen (alkalischen) pH-Wert zerstören diesen Schutzmantel radikal. Die Kopfhaut registriert diesen Verlust als Alarmsignal und versucht, die Schutzfunktion so schnell wie möglich wiederherzustellen, indem sie die Talgdrüsen auf Hochtouren laufen lässt. Das Ergebnis: Das Haar ist direkt nach der Wäsche quietschsauber, aber bereits nach wenigen Stunden wieder fettig – oft stärker als zuvor. Zusätzlich raut heißes Wasser die Schuppenschicht auf, denn Haare bestehen aus hitzeempfindlichen Proteinen, die durch hohe Temperaturen geschädigt werden. Das Haar wird stumpf und anfälliger für Feuchtigkeitsverlust.
Fallbeispiel: pH-Wert und kompensatorische Talgproduktion
Eine Studie, die oft in dermatologischen Kreisen zitiert wird, belegt diesen Mechanismus klar: Testpersonen mit fettiger Kopfhaut, die über mehrere Wochen hinweg ein alkalisches Shampoo verwendeten, zeigten eine signifikant erhöhte Talgproduktion im Vergleich zur Kontrollgruppe, die ein pH-neutrales Shampoo (pH 5,5) nutzte. Die Schlussfolgerung ist, dass die Wiederherstellung und der Erhalt des natürlichen sauren pH-Wertes der Kopfhaut entscheidend sind, um die kompensatorische Talgproduktion zu unterbrechen. Die Verwendung von milden, pH-hautneutralen Shampoos und lauwarmem Wasser ist somit keine reine Empfehlung, sondern eine wissenschaftlich begründete Notwendigkeit, um das Gleichgewicht der Kopfhaut wiederherzustellen.
Die Wahl der richtigen Produkte und die richtige Temperatur sind keine Nebensächlichkeiten. Sie sind die direkten Stellschrauben, mit denen Sie die Talgproduktion Ihrer Kopfhaut regulieren, anstatt sie in einen permanenten Verteidigungsmodus zu zwingen.
Sommer vs. Winter: Wie sich Ihre ideale Waschfrequenz ändert
Eine wirklich optimierte Haarpflege ist keine statische Routine, sondern ein dynamisches System, das sich an äußere Bedingungen anpasst. Die größten Veränderungen erfordert der Wechsel der Jahreszeiten. Im Sommer und Winter ist Ihr Haar völlig unterschiedlichen Herausforderungen ausgesetzt, die eine Anpassung Ihrer Waschfrequenz und Pflegestrategie unumgänglich machen. Wer das ganze Jahr über stur an derselben Routine festhält, riskiert entweder überpflegtes oder unterversorgtes Haar.
Im Sommer führen Schweiß, hohe Luftfeuchtigkeit, Chlor und Salzwasser zu häufigeren Ablagerungen auf der Kopfhaut und in den Längen. Das Bedürfnis, das Haar häufiger zu waschen, ist hier legitim. Der Schlüssel liegt jedoch in der Milde: Häufigere, aber sanfte Spülungen (z.B. mit der Co-Wash-Methode) sind besser als tägliche aggressive Wäschen. Im Winter kehrt sich das Problem um. Trockene Heizungsluft entzieht den Längen und Spitzen Feuchtigkeit, während das Tragen von Mützen zu einem Hitzestau am Kopf führt und die Ansätze schneller fettig aussehen lässt. Hier ist eine „Zwei-Zonen-Pflege“ die effektivste Strategie.
Die folgende Übersicht aus einem Artikel der Stuttgarter Nachrichten fasst die saisonalen Strategien prägnant zusammen:
| Jahreszeit | Herausforderungen | Empfohlene Strategie |
|---|---|---|
| Winter | Trockene Heizungsluft, fettige Ansätze unter Mützen | Zwei-Zonen-Pflege: Trockenshampoo am Ansatz, um Wäschen hinauszuzögern; Leave-in-Pflege und Öle für trockene Längen. |
| Sommer | Schweiß, Chlor, Salzwasser, hohe Luftfeuchtigkeit | Häufige sanfte Spülungen (Co-Wash), um Ablagerungen zu entfernen; gründliche Wäsche mit Shampoo nur alle 3-4 Tage. |
Diese saisonale Anpassung ist der Inbegriff eines intelligenten Haarmanagements. Sie reagieren auf die tatsächlichen Bedürfnisse Ihres Haares, anstatt es einem willkürlichen Zeitplan zu unterwerfen.
Wie bestimmen Sie Ihren Haartyp in 5 Minuten zuverlässig?
Abgesehen von der Struktur (glatt, lockig) und Porosität ist der Zustand Ihrer Kopfhaut der entscheidende Faktor für die Bestimmung Ihrer Waschfrequenz. Oft ist das Gefühl trügerisch, und was sich „fettig“ anfühlt, ist vielleicht nur das Resultat von Styling-Produkten. Ein einfacher, aber äußerst zuverlässiger Test kann Ihnen innerhalb von 24 Stunden Klarheit über den wahren Zustand Ihrer Talgproduktion verschaffen. Dieser Test funktioniert am besten, wenn das Haar völlig frei von äußeren Einflüssen ist.
Die Methode ist simpel: Sie bringen Ihre Kopfhaut in einen „Reset“-Zustand und beobachten dann ihre natürliche Reaktion über einen definierten Zeitraum. Das Ergebnis ist eine unvoreingenommene Diagnose, die Ihnen genau zeigt, ob Ihre Kopfhaut zu einer Über-, Unter- oder Normalproduktion von Sebum neigt. Anhand dieses Ergebnisses können Sie nicht nur Ihre Waschfrequenz, sondern auch die Art der benötigten Produkte (klärend, feuchtigkeitsspendend, ausgleichend) viel präziser auswählen. Führen Sie die folgenden Schritte sorgfältig durch, um ein unverfälschtes Ergebnis zu erhalten.
Checkliste: Der 24-Stunden-Kopfhaut-Test
- Vorbereitung: Waschen Sie Ihr Haar mit einem milden Shampoo und lassen Sie es an der Luft trocknen. Verwenden Sie keinerlei Styling- oder Pflegeprodukte (kein Leave-in, kein Öl, kein Schaum).
- Wartezeit: Berühren Sie Ihr Haar und Ihre Kopfhaut für die nächsten 24 Stunden so wenig wie möglich. Binden Sie es nicht zu einem strengen Zopf.
- Durchführung: Drücken Sie nach 24 Stunden eine saubere Fingerkuppe für einige Sekunden fest auf verschiedene Stellen Ihrer Kopfhaut (Scheitel, hinter den Ohren, am Hinterkopf).
- Analyse des Fingers: Betrachten Sie Ihre Fingerkuppe. Ein deutlich sichtbarer, öliger Glanz deutet auf eine ölige Kopfhaut hin. Feine, weiße oder trockene Hautschüppchen am Finger deuten auf eine trockene Kopfhaut hin.
- Normalzustand: Wenn Ihre Fingerkuppe weitgehend sauber und ohne sichtbare Rückstände bleibt, haben Sie eine normale, ausgeglichene Kopfhaut.
Dieser Test liefert Ihnen eine objektive Grundlage, weit entfernt von subjektivem Empfinden. Er ist das Fundament für eine wirklich datengestützte Entscheidung über Ihre Haarpflege.
Warum zu häufige Masken Ihr Haar fettig und schlaff machen
In dem Bestreben, geschädigtes Haar zu reparieren, greifen viele zu einem Übermaß an Pflege, insbesondere zu reichhaltigen Haarmasken. Die Logik scheint einfach: Mehr Pflege führt zu mehr Reparatur. Doch genau wie bei der Waschfrequenz kann ein „zu viel“ hier kontraproduktiv sein und zu einem Zustand führen, der als „Moisture Overload“ oder Pflege-Überladung bekannt ist. Das Haar wird nicht kräftiger, sondern im Gegenteil schlaff, kraftlos und paradoxerweise oft auch fettig oder strähnig.
Dieses Phänomen tritt auf, wenn dem Haar ein Übermaß an feuchtigkeitsspendenden und filmbildenden Inhaltsstoffen (wie Ölen, Silikonen oder Glycerin) zugeführt wird, ohne dass ein Ausgleich durch stärkende Proteine (wie Keratin oder Weizenprotein) stattfindet. Die Haarstruktur wird quasi „überweicht“. Sie verliert ihre innere Spannung und Elastizität. Das Haar fühlt sich zwar weich an, ist aber extrem dehnbar, lässt sich kaum stylen und hängt kraftlos herab. An der Kopfhaut können sich die reichhaltigen Inhaltsstoffe ablagern und die Poren verstopfen, was zu einem fettigen Ansatz führt, obwohl die Längen vielleicht trocken sind.
Fallbeispiel: Erkennung und Behebung von „Moisture Overload“
Eine Kundin mit blondiertem, trockenem Haar verwendete täglich reichhaltige Feuchtigkeitsmasken in der Hoffnung, den Schaden zu reparieren. Nach einigen Wochen stellte sie fest, dass ihr Haar trotz der intensiven Pflege immer schlaffer wurde, seine Locken verlor und am Ansatz schnell fettete. Eine Haaranalyse zeigte die typischen Symptome der Überpflege: Das Haar war überdehnt und hatte seine Sprungkraft verloren. Die Lösung bestand aus einer radikalen Umstellung: Die Anwendungshäufigkeit der Masken wurde auf maximal einmal wöchentlich reduziert. Zudem wurde die Pflegeroutine umgestellt, sodass sich feuchtigkeitsspendende Masken und stärkende Protein-Kuren abwechselten. Bereits nach zwei Wochen gewann das Haar seine Struktur und Sprungkraft zurück.
Die richtige Frequenz ist auch bei der Intensivpflege entscheidend. Wie Haarpflege-Experten von Schwarzkopf raten, sollte eine Haarkur, je nachdem, wie oft man die Haare wäscht, nur etwa einmal pro Woche oder sogar nur einmal im Monat verwendet werden. Weniger ist hier oft mehr.
Das Wichtigste in Kürze
- Die optimale Waschfrequenz basiert auf dem Verständnis biologischer Mechanismen wie hygraler Ermüdung und Talgproduktion, nicht auf starren Regeln.
- Ihre ideale Routine ist dynamisch und muss an Faktoren wie Haartyp, Porosität, Lebensstil und sogar die Jahreszeit angepasst werden.
- Strategische Pflegemethoden wie Co-Washing, Zwei-Zonen-Pflege und Multi-Masking sind effektiver als häufige, aggressive Reinigungs- und Pflegeroutinen.
Wie setze ich Haarmasken strategisch ein für maximale Regeneration?
Nachdem wir verstanden haben, dass zu häufige Masken schaden können, stellt sich die Frage nach der richtigen, strategischen Anwendung. Der Schlüssel zur maximalen Wirkung liegt darin, Masken nicht als pauschale Lösung für das gesamte Haar zu betrachten, sondern als gezieltes Instrument für spezifische Bedürfnisse unterschiedlicher Haarzonen. Selten hat das Haar vom Ansatz bis zu den Spitzen die gleichen Anforderungen. Oft ist der Ansatz eher fettig, während die Längen normal und die Spitzen trocken und porös sind. Hier kommt die Multi-Masking-Technik ins Spiel.
Ähnlich wie bei der Gesichtspflege werden dabei verschiedene Masken gleichzeitig auf verschiedene Partien des Haares aufgetragen, um jede Zone individuell zu versorgen. Eine klärende Tonerde-Maske am Ansatz kann überschüssigen Talg absorbieren, eine leichte Protein-Kur kann die oft stärker beanspruchten Mittellängen kräftigen, und eine reichhaltige Feuchtigkeitsmaske kann trockene, poröse Spitzen versiegeln und nähren. Diese Methode ist weitaus effizienter und zielgerichteter als die Anwendung eines einzigen Produkts auf dem gesamten Kopf.
Zusätzlich zur richtigen Platzierung können Sie die Wirksamkeit jeder Maske durch einen einfachen Trick drastisch erhöhen. Ein Profi-Tipp, der oft in Salons angewendet wird, nutzt Wärme, um die Haarstruktur aufnahmefähiger zu machen.
Die Wirkung einer Maske lässt sich drastisch erhöhen, indem man das Haar nach dem Auftragen in ein warmes, feuchtes Handtuch wickelt. Die Wärme öffnet die Cuticula und lässt die Wirkstoffe bis zu 50% tiefer eindringen. 20 Minuten unter der Wärmehaube entsprechen etwa 45 Minuten normaler Einwirkzeit.
– Christian Stinner, Münchner Star-Friseur
Strategischer Einsatz bedeutet also: die richtige Maske am richtigen Ort und unter den richtigen Bedingungen anzuwenden. So wird die wöchentliche Kur von einer Routine zu einem hochwirksamen Regenerationsritual.
Bewaffnet mit diesem trichologischen Wissen sind Sie nun in der Lage, die perfekte, dynamische Waschroutine für Ihr Haar zu entwickeln. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Haar zu beobachten und diese Prinzipien anzuwenden, um das Gleichgewicht wiederherzustellen und nachhaltige Haargesundheit zu erreichen.
Häufig gestellte Fragen zur Bestimmung des Haartyps
Kann sich mein Haartyp im Laufe des Lebens ändern?
Ja, hormonelle Veränderungen (z.B. in der Pubertät, Schwangerschaft oder den Wechseljahren), das Alter, aber auch Umweltfaktoren und Ernährung können den Zustand Ihrer Kopfhaut und die Haarstruktur nachhaltig beeinflussen.
Warum sind meine Haare am Ansatz fettig aber in den Spitzen trocken?
Dies ist ein klassischer Mischhaartyp. Er erfordert eine angepasste Pflegeroutine, oft „Zwei-Zonen-Pflege“ genannt. Verwenden Sie ein mildes Shampoo nur am Ansatz und pflegen Sie die Längen und Spitzen mit reichhaltigen Conditionern und Ölen.
Beeinflusst die Haarfarbe den Haartyp?
Die natürliche Haarfarbe hat keinen direkten Einfluss. Chemische Behandlungen wie Färben, Blondieren oder Dauerwellen verändern jedoch die Haarstruktur und erhöhen in der Regel die Porosität, was das Haar trockener und pflegebedürftiger macht.